Artenschutz unter Wasser

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"Artenschutz endet nicht an der Wasseroberfläche"

 

Zur Berichterstattung Naturschutz im Landkreis Roth

(Hilpoltsteiner Kurier, Donau Kurier vom Samstag, 23./24. Januar 2010):

Bei einer Versammlung der Teichgenossenschaft erhob Landrat Herbert Eckstein die Forderung, dass wegen der enormen Schäden, die der Kormoran in den heimischen Gewässern anrichtet, die Jungvögel ganzjährig abgeschossen werden müssten. Außerdem wäre ein Vorgehen gegen die Brut dringend erforderlich. Daraufhin unterstellte man ihm seitens des Landesbundes für Vogelschutz eine einseitige Darstellung der Problematik.

Meiner Meinung nach hat Herr Eckstein vollkommen Recht, denn er hat richtigerweise erkannt, dass Artenschutz und Tierschutz nicht an der Wasseroberfläche enden. Dass der Kormoran mittlerweile ein richtiges Problem für die gesamte Fischerei darstellt, steht außer Zweifel. Für einen Teichwirt ist es überhaupt nicht lustig, wenn ihm nahezu der gesamte Fischbesatz vom Kormoran gefressen wird und für die Angelvereine ist es geradezu deprimierend, wenn sie feststellen müssen, dass der Bestand der ohnehin größtenteils auf der "Roten Liste" stehenden Fischarten vom Kormoran zusätzlich drastisch reduziert wird.

Der Fischerei geht es keineswegs um die Ausrottung einer interessanten Vogelart, sondern um eine Bestandsregulierung zu Gunsten der Teichwirtschaft und der stark geschädigten Fischfauna in unseren Fließgewässern. In der Diskussion um den Kormoran muss man wissen, dass sich der Bestand Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa auf sehr niedrigem Niveau befand. Durch eine europaweite Unterschutzstellung in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts und der Tatsache, dass der Kormoran keine natürlichen Feinde besitzt, ist der Bestand mittlerweile aber auf rund zwei Millionen Vögel angewachsen, mit einem stark steigendem Trend von jährlich rund fünf Prozent.

So sehr sich die Vogelschützer über die Populationszunahme auch freuten, so sehr verschärften sich zugleich die Probleme für die Fischbestände und die Fischerei. Die 7000 Kormorane, die an unseren bayerischen Gewässern überwintern, fressen jeden Tag rund 3,5 Tonnen Fisch. Bei einer Verweildauer von nur 180 Tagen (von Oktober bis März) ergeben sich - ohne Berücksichtigung der verletzten und verendeten Tiere - geschätzte 600 Tonnen gefressenen Fisch pro Jahr.

Laut Angabe des EU-Fischereiausschusses entnehmen Kormorane jährlich über 300 000 Tonnen Fisch aus europäischen Gewässern. Spätestens jetzt müsste jedem klar sein, warum der Mensch verpflichtet ist, hier regulierend einzugreifen, um die empfindlichen Fischbestände und unsere heimische Teichwirtschaft zu schützen. Durch einzelne Vergrämungsabschüsse oder gar Verscheuchen der Vögel, wie es Herr Sothmann anregt, kann man das Problem nicht lösen.

Auch ein Überspannen der Teiche mit Netzen ist nur sehr eingeschränkt möglich. Da wird leider viel zu blauäugig gedacht. Das einzig wirksame Mittel ist der Eingriff in die Brutkolonien und der gezielte, ganzjährige Abschuss der Jungvögel. Dass dadurch die Art keineswegs existenziell gefährdet ist, zeigt uns ein Vergleich mit anderen Wildtieren: In Bayern wurden in der Saison 2007/2008 rund 300 000 Rehe, über 118 000 Wildenten und knapp 50 000 Wildschweine geschossen. Dennoch ist auszuschließen, dass diese Arten dadurch in ihrer Existenz gefährdet sind. Warum wird in unserer anthropogen geprägten Kulturlandschaft vom Bund Naturschutz der massive Abschuss von Schwarz-, Gams- Reh- und Rotwild gefordert, um den gestörten Naturhaushalt zu regulieren, gleichzeitig der dezidierte Abschuss von Kormoranen aber abgelehnt? Anstatt uns Fischer mit der Wahl des Kormorans zum "Vogel des Jahres" zu provozieren, sollte endlich dazu übergegangen werden, die Problematik sachbezogen an einem Runden Tisch zu diskutieren und zu aller Zufriedenheit zu lösen.

Max Netter

Vorsitzender Fischereiverein Forchheim-Obermässing



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